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Touristik im Wandel (0)

„Die Branche ist internationaler geworden“

30.08.2017, 07:29

50 Jahre fvw – 50 Jahre Touristik. Langjährige fvw-Redakteure beschreiben, wie sich die Branche aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahren verändert hat. Chefredakteur Klaus Hildebrandt beobachtet drei große Entwicklungen.

Klaus Hildebrandt ist seit dem Jahr 2000 Chefredakteur der fvw.
Foto: fvw

Klaus Hildebrandt hat kürzlich sein 25. Jubiläum bei der fvw gefeiert. Als Chefredakteur hat er die Branche als Ganzes im Blick. „Wir erleben eine Konsolidierung in der Touristik“, sagt Hildebrandt. Das gelte etwa für die Veranstalter: „Die TUI Group ist durch Übernahmen Europas größter Touristikkonzern geworden, die DER Touristik ist aus mehreren Unternehmen entstanden und wächst mit den Kuoni-Veranstaltern im Ausland.“ Auch in anderen Bereichen verdichtet sich die Branche: „Bei den Airlines sehen wir das gerade bei Air Berlin“, sagt der fvw-Chefredakteur.

Eine zweite große Veränderung sei die Internationalisierung der Branche. „TUI, Neckermann-Reisen und das DER waren früher auf Deutschland ausgerichtete Unternehmen“, sagt Hildebrandt. Mittlerweile sind die großen Konzerne europäisch und haben teilweise ausländische Shareholder. Die Entwicklung mache auch nicht vor dem Vertrieb Halt, wie das Beispiel der RTK-Mutter RT Group zeige, die 2014 von dem Ägypter Samih Sawiris übernommen wurde, der auch an FTI beteiligt ist. „Wenn man vor 15 Jahren gesagt hätte, dass der größte deutsche Reisebüro-Verbund einem Ägypter gehören würde und größter Aktionär der TUI ein russischer Oligarch ist, hätte das keiner geglaubt“, so der fvw-Chefredakteur.

Die Entwicklung geht weiter: „Wir sehen jetzt über die Europäisierung hinaus eine Globalisierung und das verändert die Branche natürlich.“ Beispiele seien der Kreuzfahrt-Markt und der Online-Vertrieb. So dominieren die großen internationalen Reedereien die Kreuzfahrt, Portale wie Expedia und Ctrip aus China kaufen weltweit zu. Deutsche Mittelständler haben aber trotzdem Chancen, meint der Chefredakteur: „Es gibt immer auch einen Gegentrend und Platz in Nischen.“

Momentan verändert vor allem die Digitalisierung die Touristik. „Die Reisebranche war schon immer eine Branche, die ganz stark von der Technik lebte“, sagt Klaus Hildebrandt. Das sei ihm noch einmal bewusst geworden, als er kürzlich im Computer History Museum im Silicon Valley vor dem ersten GDS-Terminal von Sabre stand. „Ende der 60er Jahre konnte man per Computer schon Flüge weltweit buchen – das war damals eine Sensation.“ Heute steigen die großen Technik-Giganten in die Reisebranche ein – Google und Facebook wollen mit der Reisebranche viel Geld verdienen. „Das wird sich fortsetzen“, sagt der fvw-Chefredakteur.

Insgesamt sei die Branche sehr viel größer geworden, „Die Touristik war vor 25 Jahren in Deutschland noch eine ziemlich kleine abgeschlossene Welt für sich.“ Als Journalist schätzt Klaus Hildebrandt die Entwicklung: „Das macht unsere Arbeit sehr interessant.“ (HD)

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