Home

Neue Reisewelten

Video-Interview mit CEO von Trip.com (0)

„Unsere App sieht an jedem Ort anders aus“

von Klaus Hildebrandt, Sabine Pracht, 28.08.2017, 17:14

Braucht die Welt eine weitere Reisesuchmaschine? Ja, meint Travis Katz, Gründer und CEO von Trip.com. Aber nur, wenn sie sich von anderen unterscheide.

Jeff Katz ist Gründer und CEO von Trip.com.
Foto: Screenshot

Katz ist der frühere Verantwortliche für das Auslandsgeschäft des sozialen Netzwerks Myspace. Er glaubt, diesen Weg gefunden zu haben: „Wir sind gleich mit dem mobilen Internet gestartet und bieten dem Kunden die Angebote, die wirklich zu ihm passen.“

Das versprechen auch andere, doch Katz sieht das aus eigener Erfahrung anders. Neulich zum Beispiel in Amsterdam habe ihm Booking.com bei der Ankunft Hotels für die niederländische Metropole angezeigt. Bei einem Kunden, der aus den USA angereist ist und dessen Smartphone den Standort verrät, müsse man doch davon ausgehen, dass dieser sich nicht spontan eine Unterkunft suche. „Stattdessen wäre mir mit Tipps für Besichtigungen oder Restaurants mehr geholfen gewesen.“

Video

Video-Interview mit Travis Katz

 

Kunden muss sich einordnen

Dank der auf künstlicher Intelligenz aufbauenden Algorithmen sei Trip eine selbst lernende App, so Katz. Um mehr über den Kunden zu erfahren, muss dieser sich bei der Anmeldung in einer von 20 Reisebedürfnissen – von Familienurlauber bis Abenteurer – einordnen. Diese Präferenzen sollen dann zusammen mit weiteren Informationen wie Wetter, Tageszeit, Standort und Daten von Bewertungsportalen zu zielgerichteten Angeboten in der Destination führen. Außerdem bekommen Nutzer an ihrem Heimatort andere Empfehlungen als Besucher von auswärts. „Unsere App sieht für jeden Nutzer an jedem Ort anders aus“, so Katz. Ziel ist aber nicht eine App für die Tagesplanung im Ziel, so wie die ähnlich lautende Google-App Trips. „Viele Menschen reisen nur wenige Male im Jahr. Wir wollen, dass sie über lokale Suchen die App häufiger nutzen.“

Die Software lerne dann mehr über den Benutzer und könne bessere Angebote unterbreiten. Das soll dem Schicksal vieler anderer Apps vorbeugen, die auf dem Smartphone bald wieder gelöscht oder nie benutzt werden. „Bislang bietet keine andere Reise-App dieses Maß an Personalisierung“, behauptet Katz selbstbewusst. Die Zielgruppe sei relativ jung, der Nutzer im Schnitt 32 Jahre alt.

Die Trip-App, die nach seinen Worten über zwei Millionen Mal heruntergeladen wurde, werde im Schnitt immerhin 4,5 mal pro Monat genutzt. Eine wesentliche Rolle spielt die Community, deren Empfehlungen in die Anzeige der Suchergebnisse einfließen. Um mehr Nutzer zu finden, bindet er seine Reisesuche auch als White-Label-Lösung in andere Apps ein, etwa bei Lufthansa.

Auch auf Deutsch verfügbar

Die App und die Website sind inzwischen in 32 Ländern und sechs Sprachen verfügbar, darunter Deutsch. „Deutschland spielt als größter Reisemarkt in Europa für unsere internationale Expansion eine wichtige Rolle“, sagt Katz. Für Buchungen leitet sein Portal an andere Flug- und Hotelportale weiter, für Ausflüge an Viator. Als Metasucher verdient Katz nur an der Weiterleitung. Gleichzeitig schmälert dies aber den Personalaufwand – nur gut 20 Mitarbeiter arbeiten in einem Büro im ersten Stock eines Einkaufszentrums in Palo Alto direkt gegenüber der Stanford University.

Investoren hat Katz zumindest überzeugt: Er konnte 40 Mio. Dollar Kapital einsammeln. Unter anderem sind Expedia, Google-Chairman Eric Schmidt und Finanzinvestoren beteiligt. Warum Expedia? „Die sind sehr interessiert an neuen Entwicklungen. Wir können uns als kleines Unternehmen viel schneller verändern.“ Einen Vorteil hatte die Expedia-Verbindung schon: Von dem Online-Riesen erwarb Katz, dessen 2010 gegründetes Start-up zunächst Gogobot hieß, die Domain Trip.com. Mit dem schlagkräftigen Namen will er nun von Palo Alto aus die Welt und auch Deutschland entdecken.

Der Text ist in der fvw-Jubiläumsausgabe „Reisen 5.0.“ erschienen.

0 Leser-Kommentare

Google Xing
Vorherige Nächste