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Das coole Pauschalreise-Reisebüro

08.09.2017, 07:45

Die Branche hat ein Namensproblem. Touristiker fremdeln zunehmend mit „Pauschalreise“ und „Reisebüro“. Was sind die zeitgemäßen Alternativen?

Klaus Hildebrandt ist Chefredakteur der fvw
Foto: fvw

Vergangenen Sommer feierte die Thomas Cook Group ihren 175. Geburtstag. Der Gründer organisierte – ausgerechnet für eine Gruppe von Abstinenzlern! – 1841 die erste Pauschalreise. Bereits 1863 wurde in Breslau „Carl Stangen's Reise-Bureau“ eröffnet, das als erstes deutsche Geschäft seiner Art Fahrten ins Ausland verkaufte.

Doch sind die Begrifflichkeiten noch zeitgemäß? Namhafte Manager wie Fritz Joussen (TUI) oder Stefanie Berk (Thomas Cook) stellen sie öffentlich in Frage. Pauschalreise klingt für viele nach 70-er Jahre und einer fest gefügten Standard-Reise mit All-inclusive ans Mittelmeer. Fast jeder kennt wohl Freunde, die ja nie Pauschalreisen machen würden. Fragt man genauer nach, dann bestand der jüngste Urlaub manchmal doch aus Bausteinen oder dynamisch paketierten Komponenten von einem Veranstalter und fiel rechtlich unter die Pauschalreise-Richtlinie. Wenn ich postuliere, ich sei „Pauschalreise-Fan“ werde ich von Bekannten oft genauso mitleidig angeschaut wie bei meinem Bekenntnis als HSV-Fan.

Auch mit dem Wort Reisebüro hat so mancher Reisemittler ein Problem. Das klinge nach verstaubten Katalogwänden, monieren insbesondere diejenigen, die ihre Läden zu stylishen Lounges mit Wohlfühl-Feeling und umfassendem Multimedia-Einsatz umgerüstet haben. Die TUI und L’Tur nennen ihre Filialen „Shops“, Solamento eröffnete gerade eine „Travel Boutique“, Urlaubsguru einen „Store“. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, ob „Reise Outlet“ oder „Travel Designer“.

Neu ist die Debatte nicht. Schon der frühere TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher fand den Namen Pauschalreise angesichts der Fülle der individuellen Reisemöglichkeiten nicht mehr passend und sprach lieber von der „Veranstalter-Reise“, zumal diese das Versprechen auf Service und Hilfe im Notfall beinhaltet. In der Praxis wiederum kennen viele Kunden nicht einmal den Unterschied zwischen Reiseveranstalter und Reisebüro.

Bei den Reiseprofis sind die Begrifflichkeiten fest im Wortschatz verankert. Aber sind wir vielleicht betriebsblind? Wer sich mit anderen Spezialisten unterhält, seien es Handwerker, Ärzte oder IT-Techniker, entdeckt nicht selten, dass deren gängiges Vokabular für Außenstehende unverständlich ist. Ich gebe zu: Die ultimativen, ebenso cool wie eingängig klingenden Alternativen zu „Pauschalreise“ und „Reisebüro“ sind mir noch nicht eingefallen. Aber vielleicht haben Sie Ideen? Oder brauchen wir keine neuen Namen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Vorschläge!

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